Tagebuch eines Zivildieners (I)
Liebes Tagebuch!
Heute schreib ich das erste Mal in dir. Du wirst im nächsten Jahr sehr viel ertragen müssen, ich habe sehr viel zu erzählen – und Papier ist bekanntlich sehr geduldig.
Eigentlich gibt es als Zivildiener nicht sehr viel zu erzählen eher mehr zum (ver)fluchen. Ich wählte den Zivildienst aus dem Gedanken heraus, nicht so zu enden wie beim Bundesheer. Aber eigentlich ist es das gleiche. Nur das der Zivildienst ein ganzes Jahr in Anspruch nimmt – was man ja gerne macht.
Seit ca. einem Monat stehe ich in der Küche und bereite am Vormittag eine Jause zu und wasche das Geschirr. Noch ist kein Ende in sicht. Ich dachte mir immer, dass ich mehr mit “Behinderten” zu tun haben werde. Nichts der gleichen. Man sieht sicht, sagt “Hallo” und das war’s schon wieder. Als Zivildiener ist man an allem Schuld. Zitat: “Der Zivi ist zu langsam gefahren. Deswegen sind wir zu spät.” Inzwischen kann ich mich nicht mehr aufregen.
Aggressionen werden direkt in Alkohol oder Billard umgewandelt. So vergisst man wenigsten für kurze Zeit, dass man noch ca. zehn Monate vor sich hat. Ich darf gar nicht darüber nachdenken.
Danke für deine Geduld liebes Tagebuch, Stefan