Tagebuch eines Zivildieners (II)
Liebes Tagebuch!
Ein Tag könnte nicht besser beginnen: Unfall. Wie jeden Tag fahre ich eine kleine Tour und bringe unsere Kunden zu unserem Standort. Nichts ahnend wird der Blinker angeworfen und gebremst. Alles normal.
Das Auto kommt zum Stillstand. Außer der lauten Lüftung und dem Radio ist nicht zu hören. Plötzlich ein hektischer Ruck. Auto von hinten. Ich steige aus zum zu sehen ob was passiert ist. Stoßstange etwas eingedrückt sonst nichts… oder doch!?
Gestern noch Weihnachtsfeier und ich Fahrer vom Dienst, wie sollte es einem Zivildiener auch anders gehen. Fast alle betrunken und ich fahre. Ein Spaß sondergleichen.
Mehr gibt es nicht mehr zu schreiben. Ich bin auch etwas gedankenverloren unterwegs. Grund dazu gibt es…
Tagebuch eines Zivildieners (I)
Liebes Tagebuch!
Heute schreib ich das erste Mal in dir. Du wirst im nächsten Jahr sehr viel ertragen müssen, ich habe sehr viel zu erzählen – und Papier ist bekanntlich sehr geduldig.
Eigentlich gibt es als Zivildiener nicht sehr viel zu erzählen eher mehr zum (ver)fluchen. Ich wählte den Zivildienst aus dem Gedanken heraus, nicht so zu enden wie beim Bundesheer. Aber eigentlich ist es das gleiche. Nur das der Zivildienst ein ganzes Jahr in Anspruch nimmt – was man ja gerne macht.
Seit ca. einem Monat stehe ich in der Küche und bereite am Vormittag eine Jause zu und wasche das Geschirr. Noch ist kein Ende in sicht. Ich dachte mir immer, dass ich mehr mit “Behinderten” zu tun haben werde. Nichts der gleichen. Man sieht sicht, sagt “Hallo” und das war’s schon wieder. Als Zivildiener ist man an allem Schuld. Zitat: “Der Zivi ist zu langsam gefahren. Deswegen sind wir zu spät.” Inzwischen kann ich mich nicht mehr aufregen.
Aggressionen werden direkt in Alkohol oder Billard umgewandelt. So vergisst man wenigsten für kurze Zeit, dass man noch ca. zehn Monate vor sich hat. Ich darf gar nicht darüber nachdenken.
Danke für deine Geduld liebes Tagebuch, Stefan